Inklusion im Kanusport
Zielgruppe: Gehörlose, Schwerhörige und Menschen mit CI
Kommunikation auf dem Wasser ist im Kanusport von entscheidender Bedeutung. In vielen Situationen, in denen die gesprochene Sprache unpraktisch oder unmöglich ist, bieten schon jetzt Zeichen und Gesten eine universelle Möglichkeit zur Verständigung. So koordinieren wir uns im Team, geben Kommandos weiter und tauschen Informationen aus, wenn Wind, Geräuschkulisse oder Entfernung die Lautsprache unverständlich machen.
Um gehörlose und hörgeschädigte Menschen für den Kanusport zu gewinnen, müssen bestehende Barrieren erkannt und gezielt abgebaut werden. Dazu gehören vor allem Kommunikationshindernisse sowie Berührungsängste auf beiden Seiten.
Kanu-Workshop für Gehörlose, Schwerhörige und Menschen mit CI:
Im August (09.08.2025 - 10.08.2025 und 16.08.2025 - 17.08.2025) führte der Kanu-Club Zugvogel e. V. daher an zwei aufeinander folgende Wochenenden einen Kajak-Grundlagen-Workshop durch. Der Workshop richtet sich gezielt an gehörlose und schwerhörige Menschen sowie an Personen, die mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt sind. Organisiert wurde der Workshop von Gabriele Kohler.
Die Veranstaltung wurde über den Kölner Gehörlosenverein und Soziale Medien mittels Flyer und Video in Deutscher Gebärdensprache (DGS) beworben. So gelang es, acht Teilnehmende für diese Veranstaltung zu gewinnen.
Die Teilnehmenden erhielten an den beiden Wochenenden eine fundierte Einführung in den Kanusport. Der Kurs kombiniert theoretische Grundlagen zu Sicherheit, Ausrüstung und Paddeltechnik mit praktischen Übungen auf dem Wasser und ermöglichte einen barrierearmen Zugang zum Kanusport.
Die Kommunikation wurde durchgängig barrierearm gestaltet. Alle Informationen an Land wurden in Lautsprache und DGS angeboten. Um die Informationsverarbeitung für schwerhörige Personen zu erleichtern, wurden die Inhalte langsam und deutlich in ruhiger Umgebung vermittelt. Zusätzlich kamen Textkarten zum Einsatz, auf denen die wesentlichen Informationen stichpunktartige und in großer Schrift oder über erläuternde Grafiken abgedruckt waren.
Auf dem Wasser erfolgte die Kommunikation über vorher festgelegt visuelle Zeichen und in Gebärdensprache, sodass alle Teilnehmenden unabhängig von Hörhilfen aktiv eingebunden waren und den Anleitungen folgenden konnten. Für die Sicherheit auf dem Wasser ist es wichtig, Aufmerksamkeit in Gefahrensituationen erzeugen zu können. Da dies ggf. weder visuell noch akustisch möglich ist, kamen erstmals taktile Signalgeber (spürbare Vibration) im Rahmen eines Buddy-Systems (1:1-Betreuung) zum Einsatz.
Während der Wochenenden wurden Reflektions- und Austauschräume geschaffen. So konnten die Teilnehmenden ihre Wünsche, Bedürfnisse und eventuelle Unsicherheiten äußern und beim gemeinsamen Grillenabend sich gegenseitig besser kennenlernen und Berührungsängste abbauen.
Das besondere Highlight bildete die Abschluss-Tour auf dem Rhein von Zündorf nach Mülheim zu den Wassersportfreunde Neptun e. V., am Kölner Dom vorbei. Dabei konnte das Erlernte in der Praxis erprobt und das Selbstvertrauen, in die durch den Workshop erworbenen paddlerischen Fähigkeiten gestärkt werden. Zugleich stellte diese Tour den Übergang vom Schnupper- in den Regelbetrieb dar.
Die Durchführung wurde durch die Förderung des Stadtsportbundes Köln aus Mitteln der Behindertensportbeihilfe ermöglicht. Unterstützung erfuhr Gabriele Kohler von Alexandra Knorr (Kanu-Club Zugvogel e. v.), Sabine Matern (TC Sterkrade 1869 e. V., Kanuabteilung), Maria Rhein (Wassersportfreunde Neptun e.V.) und Kathrin Steiner (SC Janus e. V.) sowie Heiko Burak, der die Veranstaltung in Gebärdensprache begleitete.
Inklusive Kanutour:
Aufbauend auf diesem Workshop wurde am darauffolgenden Sonntag (24.08.2025) eine Schnupper-Kanu-Tour für Gehörlose, Schwerhörige und Menschen mit CI von Mondorf nach Zündorf von Gabriele Kohler und Alexandra Knorr angeboten. An dieser Tour nahmen 4 Personen des vorangegangenen Workshops, sowie 4 weitere Personen aus deren näherem Umfeld teil.
Begleitend dazu organisierte Gabriele Kohler eine Ausbildungsfahrt für hörende Vereinsmitglieder, bei der die Logistik einer Kanutour, Boote laden, gegenseitige Unterstützung beim Ein- und Aussteigen, Anwendung der Paddel-Techniken bei einer Tour, Fahren in einer Gruppe, Ausweichmanöver und effektiver Richtungswechsel und Kommunikation auf dem Wasser zentrale Bestandteile darstellten.
Gerade in puncto Kommunikation wurde dabei speziell auf die Bedürfnisse der gehörlosen und schwerhörige Personen eingegangen und Teams aus Teilnehmenden beider Gruppen gebildet. Auch hier kamen die taktile Signalgeber als Sicherheitselement zum Einsatz.
Erkenntnis:
Maßnahmen zur Sensibilisierung, konkrete sportliche Angebote, DGS-Kompetenz und der Einsatz von Dolmetscher*innen bei Vereinsveranstaltungen bilden die Basis für die nachhaltige Teilhabe Gehörloser, Schwerhöriger und Menschen mit CI am Sport und dem Vereinsleben.
Ergebnis, Folge-Aktionen und Ausblick:
Aus dem Kreis der Teilnehmenden beider Angebote konnten so drei gehörlose Personen im Verein als Mitglied gewonnen werden. Diese nehmen am regulären Training und an weiteren Vereinsaktivitäten teil. Möglich ist dies, weil Gabriele Kohler die Deutsche Gebärdensprache inzwischen auf B1-Niveau beherrscht. Unterstützung wird Gabriele Kohler hier durch Alexandra Knorr erfahren, die ab Januar 2026 ebenfalls die Gebärdensprache erlernen wird.
Vor dem Hintergrund der Mitgliedschaft gehörloser Personen lud Gabriele Kohler die Vereinsmitglieder ein, am 27.10.25 gemeinsam den Kinofilm „Sorda“ zu besuchen. Diesem Aufruf folgten knapp 20 Vereinsmitglieder. Im Mittelpunkt stand dabei, erste Einblicke in die Gehörlosenkultur und die Herausforderungen gehörloser Menschen kennenzulernen.
Da ein zentraler Ansatz zur Inklusion der Aufbau von Gebärdensprachkompetenz im Kanu-Verein darstellt, können unsere Mitgliedern im Rahmen von drei Übungsabenden (20.01.26, 27.01.26 und 03.02.26) erste Gebärden erlernen. Die drei Abende werden von den gehörlosen Mitgliedern selbst geplant und geleitet. Ergänzend wird das Fingeralphabet und QR-Codes zu Videos der wichtigsten Gebärden als Aushang platziert.
Der Förderverein unterstützt darüber hinaus die Teilhabe am Vereinsleben mit finanziellen Mittel und ermöglicht die gebärdensprachliche Begleitung der Matinee und der Mitglieder-versammlung im Jahr 2026.
Gabriele Kohler





