Rheintour verkehrt 2011



Nun war es am Samstag, dem 30. Juli soweit, dass die von Christian ins Leben gerufene Rheintour starten sollte. Also lagen auch kurz nach der vereinbarten Treffpunkt-Zeit sechs unterschiedliche Langboote zur gemeinsamen Ausfahrt auf der Wiese neben unserem Bootshaus. Es wurde fleißig an den letzten Handgriffen geschraubt, die Ausrüstung und die nötige Verpflegung verstaut. Zu den drei erfahrenen Langbootfahrern Christian, Matthias und Torsten, fanden sich auch die Rookies Reiner, Marcel und Martin ein, sodass wir eine schöne kleine Gruppe waren. Selbst bei unserer Vorbereitung trafen wir noch einige Zugvögel, die neugierig am Bootshaus vorbeikamen und nicht mitfahren konnten. Sie bestaunten unser Vorhaben und wünschten uns auch rheinaufwärts eine gute Fahrt. Sicher wäre es einfacher gewesen, nur von Bonn bis Zündorf rheinabwärts zu fahren, doch dies haben wir nun schon öfters absolviert, und es wäre nicht lustig, nicht mal was Neues auszuprobieren.

Also starteten wir gegen kurz nach neun Uhr zu der Rhein-verkehrt-Tour und ahnten dabei noch nicht, dass der von Christian auserwählte Name der Tour noch ein Sinnbild für das Erlebte wird. Nach den ersten Paddelschlägen und einem letzten Briefing von Christian im Bereich unseres Heimathafens bogen wir mit unseren Langbooten um die Landzunge bei Km 677,3 und fuhren zunächst auf der rechten Rheinseite dem Ziel entgegen. Die ersten Kilometer bis zu den Krippen ab Km 675 konnten wir dank des seit dem Frühsommer wieder angesitegenen Wasserstands mit reichlich Wasser unter der Kiellinie auf Kurs nehmen. Doch Marcel ist mit dem grünen Touryak im Bereich einer flachen Krippe doch Opfer eines Wasserdiebstahls geworden und war knapp dran aufzusetzen. Man könnte auch von einer sehr lokalen und plötzlich auftretenden Rheinversickerung reden. Ist dies nicht schon verkehrt? Bei soviel Wasser, das den Rhein herunterkommt doch noch fast trockene Stellen zu finden!

Ab Km 673 und der letzten Krippe am Bojen-Tank wurde es ruhiger und wir zogen unsere Paddelschläge durch den langen Linksbogen über Langel bis hinter der Befüllstation kurz nach Wesseling. Matthias zog bei einer kleinen Verschnaufpause alle Paddler zusammen, und wir meisterten dann gemeinsam für heute unsere erste Rheinquerung. Auf der linken Rhein-Seite suchten wir uns dann bald ein schönes Plätzchen für unsere erste Rast. Demnach kam nach etwas mehr als zehn Kilometer gefahrener Strecke die Pausenbank ganz recht und sie wurde von uns gerne als Raststation angenommen. Für Christian, Torsten und mich war die Stelle aufgrund unserer GFK-Kajaks etwas kniffliger als die der anderen, und so mussten wir unsere Langboote ein paar Meter aus dem Wasser tragen und auf Land zwischen Steinen und Bewuchs ablegen. Ich war nur froh, dass wir auf einer kleinen Tagestour und die Boote noch relativ leicht waren. Dann waren es nur noch zwei Meter die Böschung rauf und wir krabbelten alle mit den mitgebrachten Leckereien der Pausenbank entgegen. Nach den ersten Bissen und den wärmenden Schlucken aus Christians Kaffeekanne rief dann jemand erstaunt: "Schaut mal, ein Auto im Rhein!" ..."Kommt da etwa ein Trabbi oder was ist das?"

Farblich und von weitem gesehen konnte man durchaus annehmen, dass es in der Tat ein kleiner himmelblauer Kleinwagen aus Zwickau war. Doch nach der ersten Verblüffung überhaupt ein Auto im Rhein zusehen, merkten wir das "Es" doch etwas länger als ein Trabant war und es sich auch nicht um die Kombi-Version handelte. Nur zu gut, dass Matthias und ich jeweils eine Digitalkamera aus dem Land der aufgehenden Sonne dabei hatten.

Ich glaub sonst würde uns das auf dem nächsten großen Clubabend niemand abkaufen und die Geschichte zum Seemannsgarn ins gute Kästchen legen. So wie unsere Tour von Christian getauft wurde, so verkehrt die Welt schon mal sein kann, so verkehrt es in den Augen vielen erscheint, das Autos in Flüssen schwimmen, so real war doch das Erlebnis, dass wir euch nun hier miterleben lassen möchten. Nachdem wir Paddler gestärkt und wie es sich für Zugvögel gehört unsere Grüße mit den Kapitänen des himmelblauen "Automobils" ausgetauscht hatten, machten wir uns wieder fertig in die Boote zu steigen, um unserem Ziel näher zu kommen. Wir blieben nun fortan auf der linken Rheinseite und fuhren bis zum Kajak-Post-Sportverein Bonn, der ein Stückchen oberhalb der Rheinfähre von Mondorf liegt. Dort war unsere zweite kleine Pause, an der wir unsere Boote auf Land parkten. Torsten hatte mit Mondorf sein persönliches Tagesziel erreicht und wollte auch hier die Rheinaufwärtstour beenden und nach einer Pause die Rückfahrt antreten. Marcel und Reiner schlossen sich Torsten an, während ich mich für die Weiterfahrt mit Matthias und Christian entschied. Reiner organisierte im Post-Sportverein noch eine Adresse einer nahe gelegenen Pizzeria und somit war für ihre Stärkung aus italienischer Hand gesorgt.

Für uns restlichen drei Zugvögel hieß das Ziel nun Bonn-Beuel und nach wenigen Metern überquerten wir für heute das zweite Mal den Rhein und kämpften uns in Ufernähe Meter um Meter bis zur Kennedybrücke den Rhein hinauf. Dort in einer kleinen Bucht mit Sandstrand beratschlagten wir unsere weitere Planung und fällten schließlich gemeinsam die Entscheidung, zurück bis Mondorf zu fahren, um eventuell auf die Zurückgebliebenen zu stoßen. Auf der Rückfahrt Höhe der südlichen Autobahnbrücke erkannten wir weit vor uns die ebenfalls schon wieder ins Wasser zurückgekehrten Zugvögel. Doch da wir unsere längere Pause noch nachholen wollten, entschieden wir uns für das Eiscafe in Mondorf, wo wir uns dann ebenfalls für die Stärkung aus italienischer Hand entschieden. Dieses Mal jedoch mit runden kalten Kugeln in kunstvoll geformten Waffeln.

Da wir nun schon seit dem frühen Morgen unterwegs waren, bestimmt einige Schweißperlen im Angesicht des Stroms in den Rhein getropft waren, und unsere feuchten Sachen nicht mehr so gut die herannahende Kälte abfangen konnte, entschieden wir uns bald für die letzten 18 Kilometer Heimweg. Schließlich trafen wir gegen 18 Uhr in unserem Heimathafen ein, und ich muss für mein persönliches Fazit sagen, das ich mental nach acht Stunden und 45 Kilometer leicht ausgepowert war. Trotz allem war es eine Supertour, für die ich mich auch hier und stellvertretend für die anderen Zugvögel noch mal für die Idee und Planung bei Christian bedanken möchte.

Und wie Iain mir schon bei meiner ersten langen Tour mit ihm von Ludwigshafen bis Köln in drei Tagen beigebracht hatte: Es gibt nicht viele die acht Stunden im Kajak paddeln, aber es sind immer die Touren mit Köpfchen, auf die man am Ende besonders stolz ist. (MH)















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